Ein natürliches Säure-Basen-Verhältnis trägt wesentlich dazu bei,
dass Körper und Geist reibungslos funktionieren. Jede Verschiebung
dieses Gleichgewichts kann eine Gefährdung der Gesundheit und ein
erhöhtes Risiko für psychische und organische Störungen bewirken.
 |
| (fotolia) |
Was passiert bei einer Übersäuerung
Die vermehrte Säurebelastung führt zunächst zu einer so genannten
latenten Azidose. Hierunter wird ein Zustand bezeichnet, bei dem die
basischen Pufferreserven im Blut schon teilweise verbraucht wurden, es
aber noch nicht zu einer pH-Veränderung gekommen ist. Bei zahlreichen
Patienten mit chronischen Erkrankungen kann eine solche Abnahme der
Basen-Puffer-Reserven festgestellt werden, wie z. B. durch chronische
Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nervosität, häufige Erkältungen, Muskel-
und Gelenkbeschwerden sowie Rheuma.
Biochemischer Hintergrund
Das Säure-Basen-Gleichgewicht kann im Körper durch mehrere Systeme
reguliert werden: der Gasaustausch in den Lungen, die Pufferkapazität
des Blutes und die Ausscheidungsmechanismen über den Schweiss und die
Niere.
Im Blut liegt der pH-Wert optimalerweise zwischen 7,35 und 7,45. Bei
einer unphysiologisch hohen Säureflut stoßen die körpereigenen
Puffersysteme an ihre Grenzen. Die Säureausscheidung ist behindert,
saure Stoffwechselprodukte lagern sich im Bindegewebe ab, was zu einer
Übersäuerung des gesamten Organismus führen kann.
Wie äußert sich eine chronische Übersäuerung?
Schnelle Ermüdbarkeit, allgemein verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
Kälte der Hände und Füße, schnelles Frieren
Kopfschmerzen
Appetitmangel, Sodbrennen, Übelkeit
Gesteigerte Infektanfälligkeit
Reizbarkeit, Nervosität
Säuren und Basen im Körper
Um ein gesundes Gleichgewicht zu bewahren, benötigen wir basisch
wirkende Stoffe, die die Säuren neutralisieren. Gleichzeitig schleusen
wir über die Lungen (Atemluft), Nieren (Urin) sowie über die Haut
(Schweiß) Säuren aus dem Körper.
Stehen allerdings nicht genug Basen zur Neutralisierung zur Verfügung
bzw. kommen die Systeme nicht mit der Ausscheidung hinterher, muss
unser Körper die Säuren anderweitig aus dem Weg räumen – sie werden dann
im Bindegewebe abgelagert. Fällt der Blut-pH-Wert unter den
Normbereich, spricht man von einer Azidose. Umgangssprachlich wird auch
häufig der Begriff chronische Übersäuerung (latente Azidose) verwendet.
Eine akute Azidose mit pH-Werten von unter 7,15 ist lebensbedrohlich und
muss in jedem Fall medizinisch behandelt werden.
Aussagekräftige Werte über unseren Säure-Basen-Haushalt finden sich in
unserem Blut: Liegt der Blut-pH unter 7,35 ist unser Säure-Basen-Status
im sauren Bereich. Dagegen liefern pH-Teststreifen, die den pH-Wert im
Urin messen, weniger aussagekräftige Werte. Der Grund: Unser pH-Wert im
Urin liegt ohnehin im leicht sauren Bereich und ist aus medizinischer
Sicht völlig normal.
Der menschliche Organismus verfügt über ein ausgeklügeltes
Puffersystem – aber es ist nicht unerschöpflich. Überwiegen über lange
Zeit die sauren Umstände, geraten wir in eine latente Übersäuerung.
Diesen Zustand bemerken wir erst einmal nicht. Besteht die Übersäuerung
aber über längere Zeit, kann sie die Funktionsweise des Bindegewebes und
auch anderer Organe beeinträchtigen.
Doch ein gesunder, ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist kein
Hexenwerk. Hat man erst einmal die Grundprinzipien dieser
Wechselwirkungen verinnerlicht, kann jeder täglich etwas für seinen
Säure-Basen-Haushalt und gegen eine mögliche Übersäuerung tun:
1. Basische Lebensmittel bevorzugen
Ob ein Nahrungsmittel im Körper sauer oder basisch reagiert, hat erst
einmal nichts mit seinem Geschmack zu tun. So wirkt nämlich sogar
extrem säuerlich schmeckendes wie Zitronen oder Johannisbeeren im Körper
basisch. Während Lebensmittel wie Laugenbrezeln, die geschmacklich eher
an Seife (Basen) erinnern, säurebildend reagieren.
Mit einer gesunden Ernährung können Sie Störungen im
Säure-Basen-Haushalt entgegenwirken und wieder ins Gleichgewicht
bringen. Für die basische Wirkung sind hauptsächlich Verbindungen aus
basischen Mineralstoffen und organischen Säuren verantwortlich.
Mineralstoffreiche pflanzliche Produkte wie Kräuter, Gemüse, Obst und
Kartoffeln sind darum besonders stark basenbildend. 70-80 Prozent Ihrer
Mahlzeiten sollten aus basischen Lebensmitteln bestehen.
2. Säure-Bildner in der Ernährung reduzieren
Während mineralstoffreiche Lebensmittel positiv auf den
Säure-Basen-Haushalt wirken, sorgen proteinreiche Nahrungsmittel für
eine vermehrte Säure-Produktion. Säurebildner sind demnach vor allem
tierische Produkte wie Fleisch, Wurst, Fisch und Käse. Aber auch
pflanzliche Eiweiß-Lieferanten gehören auf diese Seite der Liste, so zum
Beispiel Getreide und Hülsenfrüchte. Säurebildende Lebensmittel dürfen
aber problemlos 20-30 Prozent Ihrer Mahlzeiten stellen. Verschiebt sich
allerdings das Verhältnis zu sehr zugunsten der Säurebildner, droht eine
chronische Übersäuerung.
3. Atmen Sie!
Die Lunge ist das mengenmäßig bedeutendste Organ für die
Säure-Ausscheidung (Kohlensäure-Bicarbonat-System). In Form von
Kohlendioxid atmen wir den ganzen Tag über große Mengen an Säuren aus,
die im Stoffwechsel ganz natürlich entstehen. Je intensiver wir atmen,
desto größer sind auch die Kapazitäten dieses Systems. Darum ist
regelmäßige Bewegung, am besten leichtes Ausdauertraining an der
frischen Luft, elementar zur Regulierung des Säure-Basen-Haushaltes.
Aber auch Atemübungen, die die Tiefe der Atemzüge intensivieren, sind zu
empfehlen.
4. Die Leber pflegen und unterstützen
Auch die Leber ist ein wichtiges Organ um das
Säure-Basen-Gleichgewicht zu erhalten. So sorgt sie beispielsweise
dafür, dass das Blut im richtigen pH-Wert bleibt. Dazu „mischt“ sie
Säuren und Basen im richtigen Verhältnis und schleust Überschüssiges
weiter in die Niere zur Ausscheidung.
Am besten unterstützen Sie die Leber bei ihrer Arbeit, indem Sie sie
schonen! Leberbelastend ist natürlich Alkohol, aber auch viele
Medikamente wie Schmerzmittel und Entzündungshemmer müssen durch die
Leber abgebaut werden.
Bitterstoffe aus Obst, Gemüse und Kräutern wirken dagegen positiv auf
die Lebergesundheit. Man findet sie in Artischocken, Grapefruits und
vielen Wildkräutern.
5. Weißmehl, Zucker und Alkohol vermeiden
Obwohl alle Getreideprodukte sauer wirken, ist von Lebensmitteln aus Weißmehl im Besonderen abzuraten.
Ebenfalls mit leeren Kalorien – und das nicht zu knapp – kommt der
Zucker daher. Zucker selbst reagiert im Körper zwar neutral, also weder
basisch noch sauer. Doch da ein erhöhter Blutzuckerspiegel mit einer
geringeren Säureausscheidung einher geht, trägt der Zuckerkonsum
indirekt zur Übersäuerung bei.
Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Alkohol. Alkohol wird von der
Leber abgebaut und mit viel Flüssigkeit ausgeschieden – das hat
Priorität für unseren Organismus, schließlich ist Alkohol ein Gift und
soll schnellstmöglich beseitigt werden. So blockiert der Alkohol die
Säureausscheidung über Leber und Niere, wirkt damit negativ auf den
Säure-Basen-Haushalt und fördert die Übersäuerung.
6. Kommen Sie ins Schwitzen!
Die Haut als unser größtes Organ und größter Kontaktpunkt zur
Außenwelt ist natürlich auch am Säure-Basen-Stoffwechsel beteiligt. Vor
allem über den Schweiß kann unser Körper überschüssige Säuren bequem
loswerden. Auch darum ist Sport bzw. regelmäßige Bewegung sinnvoll.
Saunabesuche wirken ebenfalls entsäuernd und ab und an kann auch ein
sogenanntes Basenbad sinnvoll sein.
7. Nicht sauer werden: Stress abbauen!
Stress, vor allem dauerhafter, chronischer Stress, kann ebenfalls
eine Ursache der Übersäuerung sein. Denn die Stress-Hormone Cortisol und
Adrenalin sorgen dafür, dass der normale Stoffwechsel ins Schlingern
gerät. Die Verdauung wird gedrosselt, Leber und Nieren arbeiten nur noch
eingeschränkt und sogar die Atmung leidet unter dem dauerhaften Stress.
Der Grund: Bei chronischer Belastung wird die Atmung zwar schneller,
aber auch flacher. Der Stoffaustausch von Kohlendioxyd und Sauerstoff
wird weniger effektiv und damit auch die Ausscheidung der überschüssigen
Säuren. Was Sie gegen den Stress tun können? Das erfahren Sie in
unserem Beitrag „Stress abbauen: 10 Tipps wie Sie besser mit Stress
umgehen“
Basische Ernährung
Eine rein basische Ernährung kann unter Umständen – wenn sie sehr
vielseitig und sorgfältig zusammengestellt wird – dauerhaft praktiziert
werden.
Da dies aber so viel Enthusiasmus, Zeit und Konsequenz erfordert, wie es
bei den wenigsten Menschen anzutreffen ist, empfehlen wir die basische
Ernährung lediglich für einen überschaubaren Zeitraum, der zur
Entgiftung und Ausleitung von Stoffwechselrückständen genutzt wird.
Im Anschluss daran kann dauerhaft und mit großartigem Erfolg die basenüberschüssige Ernährung praktiziert werden.
Bei basenüberschüssig ist alles möglich: low carb, vegan, mit Fleisch, roh oder gekocht.
Die basenüberschüssige Ernährung kann nach den persönlichen Vorlieben
sehr stark variiert werden. Wer beispielsweise Kohlenhydrate reduzieren
möchte, kommt bei der basenüberschüssigen Ernährung voll auf seine
Kosten, da die hauptsächlichen Kohlenhydratlieferanten – nämlich Back-
und Teigwaren – zu den schlechten Säurebildnern gehören und daher
automatisch gemieden werden. Die erlaubten 20 Prozent aus guten
säurebildenden Lebensmitteln können dann mit Gerichten aus Nüssen
und/oder hochwertigen tierischen Produkten aus biologischer Weidehaltung
gestaltet werden.
Wer die vegane Lebensweise favorisiert, hat mit der basenüberschüssigen
Ernährung verständlicherweise keine Probleme und kann hier bei den zur
Verfügung stehenden pflanzlichen Lebensmitteln aus dem Vollen schöpfen.
Die basenüberschüssige Ernährungsweise kann ferner ganz normal, also zum
großen Teil gekocht, verzehrt und mit einem gewissen Rohkostanteil
lediglich ergänzt werden. Sie kann aber auch problemlos als reine
Rohkosternährung gestaltet werden, wobei auch hier wieder alle
Richtungen (vegan oder vegetarisch) möglich sind.